Vorbeugung für Frauen und Migrantinnen
Aktuelle epidemiologische Zahlen und Trends weltweit belegen
die zunehmende Bedeutung, die HIV / AIDS für Frauen erlangt. Auch in
Deutschland steigt der Anteil der Frauen an den von HIV Betroffenen. Die
Lebenssituationen von Frauen können infolge ökonomischer und sozialer
Benachteiligungen ein verstärktes Infektionsrisiko bedeuten, da diese
Einfluss haben auf Gesundheitsverhalten und Krankheitsbewältigung.
Erfahrungen aus Beratungseinrichtungen zeigen, dass die Situation betroffener
Frauen aufgrund gesellschaftlicher, sozialer und biologischer Bedingungen
Unterschiede zur Situation HIV-positiver Männer aufweist. Ihr Schicksal
wird jedoch bisher öffentlich kaum wahrgenommen. Als Betroffengruppe
lässt sich die Gruppe HIV-positiver Frauen aufgrund ihrer Heterogenität
nur schwer beschreiben:
„Wir sind unbeschreiblich ...Keine ist wie die andere. Aber eines
haben wir gemeinsam: Wir sind „weiblich & positiv“ (DAH
- Broschüre „weiblich & positiv“).
Dennoch lassen sich Gemeinsamkeiten finden:
- Frauen sind bei Erhalt ihres positiven Testergebnisses zu 75 % zwischen
29 und 39 Jahren alt, mehr als 70 % sind jünger als dreißig
Jahre. Damit sind Frauen bei Diagnosestellung „HIV“ im Durchschnitt
10 Jahre jünger als Männer.
- Traditionell wird das Augenmerk im Hinblick auf eine HIV- Infektion
nicht auf Frauen gerichtet, wenn sie nicht zur Hauptbetroffenengruppe
der Drogengebrauchenden gehören oder sich als Prostituierte outen.
Das hat zur Folge, dass die Infektion meist erst bei Auftreten Aids-assozierter
Erkrankungen diagnostiziert wird.
- Da Aids zu Beginn als „Schwulenkrankheit“ galt, fehlen –
teilweise bis heute – geschlechtsspezifische Untersuchungen über
den Verlauf der Erkrankung, optimale Medikamentendosierungen und Nebenwirkungen
der Frauen (z.B. Einfluss der antiretroviralen Therapie auf den weiblichen
Hormonhaushalt).
- Ebenso wurde wenig geschlechtsspezifische sozialwissenschaftliche Forschung
betrieben, obwohl es als bewiesen gilt, dass sowohl Krankheitsbewältigung
wie auch Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen stark durch biographische
und damit auch geschlechtsspezifische Aspekte bestimmt wird.
- 50 % aller positiven Frauen erfahren ihr Testergebnis im Rahmen der
Schwangerschaftsvorsorge, also in einem sehr verletzlichen Zustand. Der
HIV-Antikörpertest wurde häufig ohne besondere Beratung als
Routinetest durchgeführt. Das positive Testergebnis wurde meist von
einem nicht auf HIV spezialisierten Behandler mitgeteilt. Folge: Die Frauen
trifft das positive Testergebnis gänzlich unvorbereitet. Aus Unkenntnis
werden beruhigende Informationen über die Möglichkeiten der
HIV-Behandlung nicht mitgeliefert. Nicht selten wird den werdenden Müttern
von den behandelnden Gynäkologen zum Schwangerschaftsabbruch geraten.
Der Wunsch, dass Kind trotz eigener HIV-Infektion auszutragen stößt
sowohl bei Medizinern, im Verwandten- und Bekanntenkreis wie auch in der
Öffentlichkeit sehr oft auf Ablehnung. Verantwortungslosigkeit wird
unterstellt. HIV- positive Mütter sehen sich im Vergleich zu kinderlosen
HIV-positiven Frauen nochmals besonderen Schwierigkeiten gegenüber
(Siehe HIV und Schwangerschaft).
- Frauen sehen für sich häufig keinen Platz in AIDS-Hilfen,
da diese tatsächlich oder aber im Bewusstsein der Bevölkerung
immer noch als „Schwulendomänen“ gelten. Dies führt
zu „Unsichtbarkeit“ der betroffenen Frauen und führt
schnell dazu, den tatsächlichen Bedarf an Unterstützung für
weibliche Positive zu verkennen.
- Einer HIV-positiven Frau wird nicht selten ein exzessives Sexualleben
unterstellt. Ihre Infektion wird als selbstverschuldet angesehen.
- Frauen neigen dazu, das „Dasein für andere“ als wesentliches
Lebensprinzip anzusehen. Sie leben versteckter, holen sich seltener und
später Hilfe als Männer und sind weniger in das medizinische
Versorgungssystem eingebunden.
- Frauen neigen viel eher als Männer dazu, Krankheit als Botschaft
zu interpretieren. Zum einen kann dies die negative Bedeutung von „selbst
verschuldet“ annehmen. Zum anderen kann eine solche Deutung auch
genutzt werden: „Ich muss die krankmachenden Elemente in meinem
Leben ausfindig machen und sie verändern! Ich muss besser auf mich
acht geben!“
- Frauen sind i.d.R. finanziell schlechter gestellt und sozial schlechter
abgesichert als Männer (siehe soziale und finanzielle Situation weiblicher
Positiver)
- Frauen gehören zu den Klienten mit einem ganzen Komplex von Problemen
plus HIV /AIDS.
- Positive Frauen haben in Studien erheblich niedrigere Werte bei der
Bewertung ihrer Lebensqualität und das, obwohl sie bei vergleichbarer
Situation ihre Lage als besser einschätzen als HIV-positive Männer
dies tun.