Über die Hannöversche AIDS-Hilfe

Seit 1984 engagiert sich die Hannöversche AIDS-Hilfe e.V. für Menschen mit HIV, sie leistet Unterstützung zur Selbsthilfe und zielgruppenspezifische Aufklärungsarbeit, um neue Infektionen zu verhindern.

Leben mit HIV heute

Das Bild von AIDS und damit die Aufgaben der Hannöverschen AIDS-Hilfe e.V. haben sich seit ihrer Gründung grundlegend gewandelt. In den 80er Jahren bestand das Engagement der Aktivist*innen neben der Aufklärung der verängstigten Bevölkerung noch überwiegend aus Sterbebegleitung für die an AIDS Erkrankten.

Heute ist eine Heilung der HIV-Infektion zwar trotz intensiver Forschung nach wie vor nicht in Sicht, rechtzeitig erkannt und behandelt kann HIV inzwischen aber dank moderner Medikamente optimal kontrolliert werden. Fast alle Betroffenen haben inzwischen eine statistisch gesehen annähernd normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität und normaler Arbeitsfähigkeit. Voraussetzung ist aber, dass die Medikamente lebenslang zuverlässig eingenommen werden.

Das Vollbild AIDS, das in den 80er Jahren noch fast alle Betroffenen erlitten und daran verstarben, sehen wir heute nur noch sehr selten und zumeist dann, wenn die HIV-Infektion viel zu spät erkannt wurde. Eine Wiederherstellung einer funktionierenden Immunabwehr ist aber auch dann in fast allen Fällen heute möglich.

Auch die massiven Nebenwirkungen, die die HIV-Therapie noch vor ca. zehn Jahren hatte, sind dank der Weiterentwicklung der Medikamente und ärztlicher Überwachung auf ein erträgliches Maß reduziert.

Eine deutliche Entlastung für Betroffene hat auch die Erkenntnis gebracht, dass Menschen mit HIV unter erfolgreicher Therapie die HIV-Infektion nicht mehr auf andere übertragen können. Bereits 2008 hat die Eidgenössische Kommission für AIDS-Fragen in der Schweiz (EKAF) diese zunächst sehr umstrittene Feststellung getroffen. Inzwischen belegen mehrere Studien, dass HIV- Medikamente die Virusvermehrung im Körper so weit eindämmen, dass kaum noch freie Viren in den Sekreten vorhanden sind und somit die Überwindung der körpereigenen Immunabwehr einer nicht infizierten Person absolut unwahrscheinlich ist. Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass die meisten HIV-Infektionen heute von Menschen ausgehen, die sich gerade erst infiziert haben und daher eine sehr hohe Viruslast im Blut und in den Sekreten aufweisen. Für Menschen mit HIV und ihre Partner*innen ermöglicht dies das Ausleben barrierefreier Sexualität (also ohne Kondom), und auch ein Kinderwunsch ist auf natürlichem Wege erfüllbar.

Was dieses Bild trübt, ist inzwischen hauptsächlich das Stigma, das Menschen mit einer HIV-Infektion anhängt. Die Erkenntnis, dass in alltäglichen Umgang mit Betroffenen eine Übertragung von HIV absolut unmöglich ist, ist seit Beginn der 80er Jahre erwiesen und wird seither nicht nur von AIDS-Hilfen kommuniziert. Dennoch halten sich in den Köpfen vieler Mitmenschen veraltete Bilder von HIV verbunden mit völlig irrationalen Infektionsängsten. Hinzu kommt die Unterstellung schuldhaften Erwerbens der HIV-Infektion, Betroffene hätten sich verantwortungsloser Lust durch Sex oder Drogenkonsum hingegeben. Vergessen wird dabei, dass lustvolles Erleben immer etwas mit Kontrollabgabe zu tun hat. Auch viele Betroffene haben diese Schuldzuschreibung internalisiert.

Bekämpfung des Stigmas

Die Bekämpfung des Stigmas, das einer HIV-Infektion anhaftet, und der Einsatz mit und für Menschen, die diesem Stigma ausgesetzt sind, bilden einen zentralen Schwerpunkt der heutigen AIDS-Hilfe-Arbeit. Diese Tätigkeit gehörte schon immer zu den Aufgaben der Hannöverschen AIDS-Hilfe, seit 2016 haben wir jedoch explizit eine Antidiskriminierungsstelle eingerichtet. Betroffene, die sich aufgrund ihrer HIV-Infektion ungerecht behandelt oder benachteiligt fühlen, oder gar durch Worte oder Taten angegriffen wurden, können sich an uns wenden. Gemeinsam werden dann Lösungsmöglichkeiten für den Konflikt gesucht und angegangen.

Um der strukturellen und institutionellen Diskriminierung zu begegnen und vorzubeugen haben wir spezifische Fortbildungsangebote für Menschen geschaffen, die im alltäglichen Kontakt mit Menschen mit HIV stehen. 2016 wurden beispielsweise in Zusammenarbeit mit örtlichen HIV-Schwerpunktpraxen Fortbildungen für Zahnärzt*innen und zahnmedizinische Fachangestellte konzipiert und durchgeführt, da eine adäquate Zahnbehandlung ohne unnötige Sondermaßnahmen für Menschen mit HIV nicht in allen Praxen Standard ist. Auch für andere Berufsgruppen oder Kollegien von Menschen mit HIV bieten wir diese Fortbildungen an.

Rat & Unterstützung für Menschen mit HIV

Nicht weniger wichtig geworden ist die Beratung und Begleitung von Menschen mit HIV in schwierigen Lebenslagen. Beginnend bei der Verarbeitung eines HIV-positiven Testergebnisses, über Konflikte in der Partnerschaft bis hin zum Thema HIV im Alter kann ein strukturiertes Gespräch mit einer Berater*in und die Weitergabe qualifizierter Informationen zur Verarbeitung bzw. Bewältigung einer Problemlage beitragen. Grundlage dafür ist unsere akzeptierende Grundhaltung gegenüber den Lebensweisen unserer Klient*innen.

Auch wenn inzwischen die meisten Menschen mit HIV ganz normal im Berufsleben stehen, sind es häufig die Bezieher*innen öffentlicher Leistungen, die sich ratsuchend an uns wenden. Die komplizierte Beantragung, Durchsetzung und Sicherung von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Rente oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, und die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden stellt nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund und Sprachbarriere vor ein großes Problem. Die Mitarbeitenden unserer Sozialberatung helfen den Betroffenen in Antrags- und Widerspruchsverfahren und vermitteln mit den Behörden.

Darüber hinaus gibt es bei uns weitere Unterstützungsangebote für spezifische Betroffenengruppen. Für Drogengebraucher*innen beispielsweise bieten wir neben einer qualifizierten Beratung auch die Psychosoziale Begleitung zur Substitutionsbehandlung nach den „BUB-Richtlinien zur Behandlung Opiatabhängiger“ an. Und unsere Projekte „Kulturtandem“ und der Vereinsgarten bringen Menschen verschiedener kultureller Herkünfte in Kontakt zueinander.

Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „HIV.kompetent.“ werden Themen rund um die HIV-Infektion für Menschen mit HIV und Interessierte von kompetenten Referent*innen für jeden verständlich erklärt und diskutiert.

Für hilfebedürftige Betroffene besteht seit 2003 unser betreutes Wohnprojekt „Lighthouse“ mit sechs Wohnplätzen. Die Bewohner*innen werden durch pädagogische Fachkräfte begleitet und von externen Pflegediensten fachkompetent gepflegt.

Prävention von HIV-Infektionen

Erklärter Schwerpunkt der Tätigkeit der Hannöverschen AIDS-Hilfe e.V. ist die Verhinderung von Neuinfektionen mit HIV durch zielgruppenspezifische Aufklärungsarbeit. HIV wird heute in fast allen Fällen sexuell übertragen, ca. 8% über intravenösen Drogenkonsum. Bundesweit infizieren sich in Deutschland nach Schätzungen des Robert-Koch-Institutes pro Jahr rund 3200 Menschen neu mit HIV, davon mehr als die Hälfte über homosexuelle Kontakte (vgl. RKI 2016). Diese Infektionszahlen sind im internationalen Vergleich sehr niedrig, nicht zuletzt auch wegen der effektiven Präventionsarbeit der AIDS-Hilfen.

Unser Präventionsarbeit wird maßgeblich getragen von unseren ehrenamtlichen Teams. Das SVeN-Team (Schwule Vielfalt erregt Niedersachsen) ist beispielsweise unter diesem niedersachsenweiten Label der AIDS-Hilfen in der schwulen bzw. queeren Szene von Hannover unterwegs. Auf lustvolle Weise und auf Augenhöhe werden Informationen zu Schutzmöglichkeiten weitergegeben und die Zielgruppe zu einem effektiven Schutz vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen befähigt.

Deutlich früher setzt unsere Schulprävention an. Entsprechend ausgebildete HIV-positive Ehrenamtliche berichten Schulklassen etwa ab der 8. Jahrgangsstufe aus eigener Perspektive über das Leben mit HIV und klären über Schutzmöglichkeiten auf. Auf diese Weise wird gleichzeitig Präventionsarbeit und Antidiskriminierungsarbeit geleistet.

Nur wer seinen aktuellen HIV-Status kennt, kann sich und seine Sexualpartner*innen vor einer Übertragung schützen. Darüber hinaus ist eine HIV-Infektion um so besser behandelbar, je rechtzeitiger sie erkannt wird. Aus diesem Grund fordert das Robert-Koch-Institut und das Bundesgesundheitsministerium seit Jahren eine Ausweitung niederschwelliger Testangebote. Die Hannöversche AIDS-Hilfe e.V. bietet seit 2014 zweimal monatlich in den Abendstunden den HIV-Schnelltest an, der in wenigen Minuten eine zuverlässige Information über den HIV-Status liefert. Ergänzend dazu gibt es bei uns seit 2016 auch ein Untersuchungsangebot zu sexuell übertragbaren Infektionen für Männer* an, die Sex mit Männern* haben. Beide Untersuchungsangebote werden von ehrenamtlichen Ärzt*innen in enger Kooperation mit dem Fachbereich Gesundheit der Region Hannover durchgeführt.

Kontakt:

Geschäftsführung, Testangebote, MSM-Prävention, SVeN-Team Hannover

Jürgen Maaß
Telefon: 0511 / 360 696 16
j.maass@hannover.aidshilfe.de

Vorstandsassistenz, Verwaltung, Veranstaltungsorganisation

Ulf Theuerkauf
Telefon: 0511 / 360 696 0
u.theuerkauf@hannover.aidshilfe.de

Sozialberatung, Drogen und Haft

Katharina Hahnke
Telefon: 0511 / 360 696 21
k.hahnke@hannover.aidshilfe.de

Sozialberatung, Schulprävention, Frauen, Flucht & Migration, Ehrenamt

Marja Rathert
Telefon: 0511 / 360 696 13
m.rathert@hannover.aidshilfe.de

Sozialberatung, Antidiskriminierungsstelle

Christoph Sitole
Telefon: 0511 / 360 696 19
c.sitole@hannover.aidshilfe.de

MSM-Prävention, SVeN-Team Hannover

Manuel Drobeck
Telefon: 0511 / 360 696 15
m.drobeck@hannover.aidshilfe.de

MSM-Prävention, Migration

Anmar Thamer
Telefon: 0511 / 360 696 15
a.thamer@hannover.aidshilfe.de

Rentenberatung, Schwerbehindertenberatung

Andreas Neumann
Telefon: 0511 / 360 696 19
a.neumann@hannover.aidshilfe.de